FR  ·  20.07.2018

Lotte

Mit ihrem Debüt legt Lotte ein überaus beeindruckendes Album vor. Songs wie die erste Single „Auf beiden Beinen“ erzählen von der Sehnsucht nach einer Freiheit, die nicht möglich ist ohne Geborgenheit. Es ist das eine Album, auf das man lange gewartet hat in diesen Tagen.

„Es gibt keinen Grund zu zweifeln, schau, ich land’ auf beiden Beinen / Ich schau nicht zurück und wenn du nichts hörst, geht’s mir gut“, singt Lotte in „Auf beiden Beinen“. Der hochdynamische Refrain symbolisiert Aufbruch, er trägt einen davon, steigert sich kontinuierlich über die gesamte Distanz, schwillt mal ab und dann wieder an – ein absolut unwiderstehlicher Instant-Hit, den man nicht wieder vergisst.

Lotte kommt aus Ravensburg, der „Stadt der Türme“, wie sie sie im gleichnamigen Song nennt. Eben dort, in der Nähe des Bodensees lernt sie von Kindesbeinen an Gitarre, Klavier und Geige zu spielen, sie singt und nimmt klassischen Unterricht. Musik ist also schon immer der Kern ihres Lebens, ihre Sprache und ihr Zufluchtsort, und vielleicht klingen ihre Lieder auch deshalb so wahrhaftig und im besten Sinne reif, obwohl sie erst 21 Jahre alt ist.

Nachdem sie ein Konzert von Max Giesinger eröffnet hatte, gibt Lotte in den nächsten Monaten um die 40 Shows im Vorprogramm prominenter Kollegen wie Benne, Johannes Oerding und eben Giesinger. Lotte hat an diesen Abenden gelernt, sich nicht mehr hinter einer Band zu verstecken, sondern direkt mit den Leuten zu kommunizieren. Das tut sie nun auch immer häufiger mit dem Produzenten Mic Schroeder, mit dem sie schließlich ins Studio geht, um ihr erstes Album aufzunehmen. Mic hat mit Rea Garvey, Joris und anderen gearbeitet und für Lotte erweist er sich auf Anhieb als perfekte Wahl. „Nach fünf Minuten war klar, dass wir perfekt zusammen passen“, sagt sie.

Und diese besondere Atmosphäre, die die beiden gemeinsam mit den Musikern im Studio kreieren, die hört man Lottes erstem Album nun in jeder Minute an. Songs wie „Pauken“, mit diesem nach vorne galoppierenden Klavier, das dramatisch flirrende Eifersuchtsdrama „Du fehlst“ oder das epochale Epos „Auf dich“ bewegen sich im Spannungsfeld zwischen Melancholie und Emphase. Lottes hochmemorabler Power-Pop ist von einer Individualität, wie man sie nicht oft findet in diesen Tagen. Die besondere Dynamik, die die diese Frau in sich und auf ihre Up-Tempo-Breitwand-Kracher übertr.gt, ist nicht zuletzt „Auch wenn’s zu Ende geht“ tief in die DNA eingebrannt: „Wild im Herzen, ins Ungewisse raus … Wir bauen unsere Welt, wie sie uns gefällt“, singt sie hier – Zeilen, die eventuell mehr über diese Frau und ihren unbändigen Freiheits- und Erlebniswillen verraten als alles andere. Ein echter Lotte!

„Wenn ich ausgehe und nach Hause komme, will ich gelacht haben und geweint haben und getanzt haben“, sagt Lotte. „Ich will das ganze emotionale Spektrum.“ Das geht sicher vielen Leuten so, aber der 21-jährigen Charlotte Rezbach, die alle Lotte nennen, gelingt es, diese Gefühle eins zu eins auf ihre Musik zu übertragen. Diese Lieder erzählen ihre Geschichte besser als es alle geschrieben Wörter jemals könnten.